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KALTENNORDHEIM – „Bier steht für Vielfalt, Genuss und Lebensfreude“, sagte Rhönbrauerei-Geschäftsführerin Christel Reukauf, als sie die Gäste im Schalander begrüßte. Es sei bereits Tradition, dass ein hochrangiger Politiker des Freistaates die Bockbiersaison durch „historischen Hammerschlag“ eröffne. Diesmal sei es mit Kultusminister Goebel ein „Landsmann aus dem nahe gelegenen Schmalkalden“. „Fühlen Sie sich ganz wie zu Hause. Wir sind eine gesellige Runde. Bei uns erleben Sie kein Theater“, sagte sie dem Minister. Viele Gäste konnte Christel Reukauf begrüßen, darunter Umwelt- und Landwirtschafts-Staatssekretär Stefan Baldus (CDU), Wartburgkreis-Landrat Reinhard Krebs (CDU), Bundestagsabgeordneter Ernst Kranz (SPD), Landtagsabgeordneter Manfred Grob (CDU), Wartburgkreis-Beigeordnete Claudia Döring (CDU) und der ehrenamtliche Beigeordnete Günter Pohl (SPD), Bürgermeister aus der Region, darunter Bad Salzungens Stadtoberhaupt Klaus Bohl (Freie Wähler), Roland Demleitner (Geschäftsführer des Bundesverbandes mittelständischer Privatbrauereien) sowie weitere Vertreter aus Wirtschaft, Politik und von Vereinen.„Bier ist so alt wie Brot – etwa 6000 Jahre – und ist bekannt als fröhliches Produkt“, sagte die Brauereichefin. Die Hefe sei froh, der Brauer und auch der Wirt. Schließlich sollte es auch der Durstige sein. Mit der Dachmarke „Rhöner“ lebe die Brauerei das Leitwort „Bier braucht Heimat“. „Wir sind stolz darauf, ein Teil unserer Heimat zu sein, und möchten noch mehr Menschen für unser regionales Bier gewinnen“, sagte Christel Reukauf. Die Brauerei engagiert sich für die Region, beispielsweise mit einer Spendenaktion für die neuen Glocken der Kaltennordheimer Nikolaikirche. Das eigentliche Motto des Brauereifestes laute daher in diesem Jahr: „Trinkt Rhönbier für die Glocken von Kaltennordheim!“, sagte die Geschäftsführerin. Die Brauerei und die Stadt Kaltennordheim veranstalten den Brauereifest-Auftakt stets gemeinsam. „Der Bürgermeister sorgt hierbei für deftige Speisen und deftige Worte über den Ehrengast“, scherzte Kaltennordheims Stadtoberhaupt Ulrich Schramm (FDP). Letzteres sei diesmal schwierig, denn der Kultusminister sei schließlich sein Dienstherr, meinte Schramm, der hauptberuflich Schulleiter des Kaltensundheimer Rhöngymnasiums ist. Dennoch hatte er im chinesischen Horoskop nachgesehen, und demnach sei Minister Jens Goebel ein Hase. Auf der einen Seite sei er feinsinnig und der Kunst zugewandt, auf der anderen Seite müsse er sich in Zeiten knapper Kassen mit der Zukunft von Orchestern und Theatern beschäftigen, was nicht selten mit Ärger verbunden sei. „Und dann sind da noch die Schulen, aber das machen wir am Tisch aus“, erheiterte Schramm die Gäste. Das Ringen um eine Einheitsgemeinde verglich der Bürgermeister mit einem Theaterstück. Es sei eine Mischung aus Tragödie und Lustspiel in vielen Akten, und der Ausgang sei noch offen. Mit drei Hammerschlägen trieb Jens Goebel den Zapfhahn in das Bockbierfass, und Christel Reukauf erklärte die Bockbiersaison für eröffnet. „Schmeckt verteufelt gut“, kommentierte der Kultusminister, als er den ersten Schluck des Gerstensaftes heruntergeschluckt hatte. Er fühle sich geehrt, dass er das Fass anzapfen durfte, denn schließlich sei er sozusagen am Tresen aufgewachsen. „Als die Muttermilch abgesetzt wurde, kam ich an den Zapfhahn“, scherzte der Minister. Und für den Spruch „Mit des Bieres Hochgenuss wächst des Bauches Radius“ sei er ein beredtes Beispiel. Goebels Großeltern betrieben in Nordthüringen eine Gastwirtschaft, und als kleiner Junge half er dort gerne mal aus. „Die Gäste sagten zu meinem Großvater: Gib dem Kleinen doch auch mal ein Bier. Und da bekam ich immer mal ein Schnapsglas voll“, plauderte der Minister aus seiner Jugend. So sei er auf den Geschmack des Bieres gekommen. Neben der Wirkung für die Geselligkeit sei Bier ein hoch qualitatives Lebensmittel, das aus sauberen Rohstoffen hergestellt wird. „Bier ist da zum Wohlsein und nicht zum Vollsein“, betonte der Minister. Daran knüpfte Roland Demleitner an. In der Europäischen Union werde derzeit über Alkoholpolitik diskutiert und starker Druck auf die Branche der Brauer ausgeübt. Die Probleme mit Alkoholabhängigkeit besonders bei Jugendlichen wolle man nicht abstreiten, doch müsse man die Kirche im Dorf lassen. „Bier wird von den meisten Menschen in Maßen genossen und ist ein Kulturgut“, betonte Demleitner. Werbeverbote für Bier und andere von der EU anvisierten Restriktionen seien daher unakzeptabel. Er forderte die Politiker auf, an das Problem mit Augenmaß heranzugehen. „Sie sollen keine Böcke schießen, sondern Böcke trinken wie hier in Kaltennordheim“, sagte Demleitner.Der Kaltennordheimer Wirteverein hatte für den Abend ein Buffet mit Rhöner Spezialitäten vorbereitet. (sach) |
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